Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag soll man essen, so steht es in unzähligen Empfehlungen. Das beugt dem Krebs vor, senkt das Schlaganfall-Risiko und den Cholesterinspiegel, bringt die Verdauung in Schwung, macht eine schöne Haut und ist rundum gesund.

Es klingt so einfach - aber wie realistisch sind die Chancen, dass man sich das auch angewöhnen und dabei bleiben kann? Meine Erfahrung mit solchen Rezepturen war immer wieder die, dass ich es in einer Startphase der Begeisterung durchhielt, dann aber nach und nach zur alten, weniger gesunden Ernährungsweise zurückkehrte. Weil ich eben gerne das esse, wonach es mich gelüstet, und nicht das, was im Sinne der Wissenschaft gesund ist. Mit fünf mal Obst und Gemüse pro Tag komme ich kaum mehr zu etwas Anderem, und so viel und oft mag ich mich mit “richtigem Essen” gar nicht beschäftigen. Irgendwann bin ich des ganzen Grünzeugs überdrüssig und es ist wieder Pizza dran - ein fataler Verlauf!

Ist das zwangsläufig so? Gerade mache ich eine interessante Erfahrung: Da ich letzten Sommer einen Garten übernommen habe, in dem viele Obstbäume und Sträucher stehen, esse ich ab der Himbeerzeit automatisch täglich Früchte und probiere auch die Wildkräuter zum Salat. Himbeeren, Kirschen, Johannisbeeren, Aprikosen, Brombeeren, Äpfel und Birnen wurden Bestandteil der Nahrung, einfach weil sie da sind. Zucchini und Tomaten sind die nächsten Kandidaten, die dazu kommen, weil sie eben verwertet werden müssen. Ohne an “gesunde Ernährung” auch nur zu denken, gewöhnte ich mich so an einen hohen Anteil Frischkost. Und wenn ich jetzt mal nicht in den Garten komme und auch nicht Einkaufen war, merke ich, wie mir “das Frische” so richtig fehlt! Da greife ich dann sogar mal zur Zwiebel, wenn nichts anderes da ist, und verteile sie klein geschnitten auf dem Käsebrot. OHNE würde mir was fehlen…

Mein Appetit hat sich also verändert, ich fühle ein Verlangen nach Obst und Rohkost, das mir früher ganz fremd war. Hätte ich mir dafür anderes Essen verboten, wäre schnell der Überdruss gekommen - so steigt einfach der Anteil pflanzlicher Frischkost, ohne dass mir fühlbar etwas fehlt.

Auch wer keinen Garten hat und sich mit den Reglements für’s gesunde Essen eher schwer tut, kann mal versuchen, ob es klappt, auf diese Weise Essgewohnheiten zu ändern. Es gibt ja im Moment so viele Sorten Obst: einfach mal täglich zwei drei Sorten auswählen, die man besonders mag - dazu ein bisschen Rohkost (Radieschen, Salat, Paprika, etc.), denn nicht immer mag man Süßes. Und dann einfach nett zubereitet herum stehen lassen und immer mal zugreifen, wenn der Appetit kommt - sich aber nichts Anderes total verbieten, bloß weil man jetzt “gesund lebt”!

Ich wette drauf, dass nach ein paar solchen Sommerwochen mit viel Obst und Gemüse das Bedürfnis danach spürbar wird, wenn es auf einmal fehlt. Und damit ist ein wichtiger Schritt gemacht: es ist plötzlich keine Überwindung mehr, sich so zu ernähren, sondern ein Verlangen. Es kommt nicht mehr aus dem Kopf, sondern aus dem Bauch, Reglementierung ist überflüssig, wir brauchen bloß noch unserem gewandelten Appetit folgen! 

 

 


# Link | Christiane Bach | Dieser Artikel erschien am Mittwoch, 18. Juli 2007 um 08:18 Uhr in Gesund leben & ernähren | 4084 Aufrufe

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