Fast jeder hat die Warnungen tausendfach gelesen und gehört: Zuviel Nitrat im Salat und im Gemüse! Vorsicht bei Rauke, Spinat und Radieschen, belastete Gemüse sollen nur in kleinen Mengen verzehrt werden, hieß es Jahrzehnte lang. Wissenschaftler hatten in den 80gern einen Zusammenhang zwischen Nitrataufnahme und der Entstehung von Magen- und Darmkrebs vermutet, was sowohl Nitrat als auch Nitrit in Verruf brachte.

Nun fährt der Zug wieder in die andere Richtung: für die Krebsentstehung seien beide Stoffe bedeutungslos. Mehr noch, sie sind sogar gesund! “Nitrat aus der Nahrung kann möglicherweise vor Magenkrebs und gastrointestinalen Infektionen schützen”, sagt Carlo Leifert, Professor für ökologische Landwirtschaft an der britischen Universität Newcastle. Immerhin erkranken deutlich weniger Vegetarier an Magenkrebs, was die neue Sicht der Dinge stützt. Alexandra Schmid, Ökotrophologin an der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux in Bern, sieht es ähnlich: “Es gibt immer mehr Hinweise, dass Folgeprodukte von Nitrit wie Stickstoffmonoxid wichtig für das Abwehrsystem des Körpers sind”. (STERN, Gesund leben, 3/07, S.81).

Tja, was soll man dazu sagen? Wer jahrelang gewisse Salate und Gemüse gemieden hat, kann also jetzt wieder unbesorgt Spinat essen? “Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Rauke keinen Krebs enthält” -  das alte Kinderlied kann aus gegebenem Anlass aktualisiert werden! Wie gut, dass ich immer schon eine abwechslungsreiche Ernährung nach den Vorgaben meines Appetits bevorzuge. Damit laufe ich nicht Gefahr, mich wegen wissenschaftlicher Erkenntnisse zu kasteien, die sich später als falsch heraus stellen.

Es sei noch gesagt, dass das Bundesinstitut für Risikobwertung noch immer zur Vorsicht mahnt:  die Forschungslange bezüglich des Zusammenspiels von Nitrit und Nitrosaminen im Körper und somit ihre Rolle bei einer möglichen Tumorbildung sei noch zu unklar. Auch sei die langfristige Wirkung einer hohen Nitrataufnahme beim Menschen noch nicht vollständig erforscht.

Nun, darauf warte ich nicht, sondern richte mir nachher einen schmackhaften Salat mit Rucola an!

 

# Link | Christiane Bach | Dieser Artikel erschien am Sonntag, 15. Juli 2007 um 07:00 Uhr in Gesund leben & ernähren | 3820 Aufrufe

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