Vermutlich hat fast jede Leserin und jeder Leser dieses Wellness-Blogs schon eigene leidvolle Erfahrungen mit der mangelnden Nachhaltigkeit unserer Willenskraft gemacht: Jahreswechselvorsätze halten grade mal ein paar Wochen, der Einstieg in die rundum gesunde Ernährung scheitert nach und nach am Alltag mit seinen vielen ungesunden, aber sehr bequem angebotenen Versuchungen - und ins Fitnesscenter gehen viele auch nur die ersten paar Monate regelmäßig, dann droht alsbald der Status “Karteileiche”.  Und weil das so ist, nehmen die Zivilisationskrankheiten aufgrund mangelnder Bewegung und falschen Essens nach wie vor zu. Kann man daran denn gar nichts ändern?

Was wäre zum Beispiel, wenn ungesundes Essen einfach verboten würde? In der Medical Tribune diskutiert der Artikel (“Experte fordert Verbot für ungesundes Essen”) die radikalen Ansichten von Professor Dr. Torben Jørgensen vom Universitätshospital Glostrup, Dänemark. Der verweist auf die Erfahrungen in den Nachkriegsjahren und auf Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion: die Menschen mussten mit nur ca. 1800 Kalorien täglich auskommen und mangels Benzin viel zu Fuß gehen. Diabetes, Koronare Herzkrankheit (KHK) und kardiovaskuläre Todesfälle gingen dabei eindrucksvoll zurück.

Dass man ähnlich gesunde Effekte auch mittels staatlicher Maßnahmen erreichen könne, sieht der Experte ebenfalls als bewiesen an: “In Finnland gelang es durch drastische Reduktion gesättigter Fette in Nahrungsmitteln, die KHK-Sterblichkeit um weit über 50 % zu senken. Einzelne Länder warten zudem mit großen Erfolgsmeldungen zum Rauchverbot auf: Der Anti-Qualm-Feldzug wirkt sich schon nach kurzer Zeit in Form verminderter Herzinfarktraten aus. Und als einziges Mittel, fettbedrohte Kinder vor Herz- und Gefäßkrankheiten zu schützen, sieht Prof. Jørgensen „School Policies“ mit den Schwerpunkten Diät und Aktivität.”

Das Argument, dass das gesunde Verhalten in einer Umwelt, die keine schädlichen Alternativen mehr anbietet, leichter fällt, hat natürlich was für sich. Und doch: es gruselt mich angesichts solcher Überlegungen, denn die Eingriffe in die Freiheiten des Einzelnen und auch in die Warenproduktion wären immens. Natürlich widersprechen andere Experten dem radikalen Professor und fordern statt dessen “intensives, individuelles Risikofaktoren-Management, das einzelne High-Risk-Kandidaten besonders ins Visier nimmt.” Aber angesichts der im Schnitt acht Minuten, die heute ein Arzt pro Patient gerade noch hat, erscheint eine derart intensive Arzt-Beziehung rund um den persönlichen Lebensstil zumindest recht utopisch.

Trotzdem: mir graust vor einem Supermarkt, aus dem alles verschwunden ist, was irgendwie “ungesund” sein könnte! Denn: kommt es nicht immer auf die Menge an? “Die Dosis macht das Gift”, dieser alte Spruch gilt auch hier. Und: vom Verbot ungesunder Nahrungsmittel hin zur Überwachung des Verhaltens ist es dann nurmehr ein kleiner Schritt. Die “schöne neue Welt” wäre bald gruslig perfekt, vielleicht gesünder, aber unfrei.

# Link | Christiane Bach | Dieser Artikel erschien am Donnerstag, 04. Februar 2010 um 06:34 Uhr in Gesund leben & ernähren | 2335 Aufrufe

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