Nach einem Spaziergang, zu kurz, um mich müde zu machen, sitze ich einen Augenblick auf dem Sofa und schaue ins diffuse Licht der Abenddämmerung. Der Himmel ist wolkig-verhangen, mehr Welt wird im dritten Stock nicht sichtbar, doch im Moment vermisse ich nichts. Eher entdecke ich etwas, nämlich dass ich sonst fast nie hier sitze, höchstens dann, wenn ich Besuch habe. Auch jetzt bin ich quasi “auf dem Sprung” - allein zuhause hält mich nichts davon ab, am PC meinen verschiedenen Arbeiten nachzugehen, zu schreiben, zu kommunizieren, Projekte weiter zu entwickeln. Es gibt ja so viel zu tun und das meiste macht sogar richtig Spaß - warum sollte ich also meine Zeit auf der Couch vertrödeln?

Zwischendurch wusele ich dann auch mal in der Küche herum, mache mir Kaffee,  Tee oder einen Imbiss, in Gedanken die Arbeit gar nicht erst verlassend. Abends dann wechsle ich irgendwann ins Bett, wo ich noch ein wenig lese. Das ist zwar wesentlich ruhiger und angenehmer, als durch TV-Kanäle zu zappen, doch setzt sich der Strom der “Inhalte”, die auf mich einströmen, so doch nahtlos fort. Bis mir die Augen zufallen,  ich das Buch beiseite lege und sofort einschlafe.

Was hab’ ich eigentlich dagegen, einfach mal nur so sitzen zu bleiben und nichts zu tun? Der Augenblick in der Dämmerung konfrontiert mich mit dieser komischen Frage, denn es ist alles wunderschön: der Himmel, der Altbau-Erker mit den vielen Fenstern, das große Zimmer, in dem nicht zu viel herum steht, die raumgreifende Monstera in der linken Ecke, der fröhliche Ficus daneben, den ich erst gestern vom Balkon herein holte - und alles in diesem schön diffusen Abendlicht… Wieder im Web, gönne ich mir noch ein wenig “freies Lesen”, bevor die “nützlichen Dinge” dran kommen und lande auf einem Blog, dessen Titelbild mich unmittelbar an die eben erlebten “Couch-Augenblicke” erinnert:  Abendlicht auf einer großen, leicht hügeligen Wiese.  Bäume werfen lange Schatten, drängen sich als Form aber selber nicht auf. Der Blick kommt regelrecht zur Ruhe, denn es gibt nichts weiter zu sehen, eine Fokussierung auf irgend etwas findet nicht statt.  Und wo “nichts Bestimmtes” ist, wird mir Raum gelassen, selbst zu sein - wie angenehm! Wo erlebt man das noch in dieser sonst so mit Eindrücken um sich werfenden Medienwelt, in der jeder Zentimeter mit Botschaft, Nutzen, Anreiz und Handlungsempfehlung vollgestopft ist und um Aufmerksamkeit buhlt.

Einfach nur “GOLF” heißt das Blog - aha, das Bild zeigt ein Stück abendlichen Golfplatz, vielleicht hätten Golfer das ja gleich erkannt.  Und der aktuelle Artikel heißt “Auf dem Platz in der Ruhe ankommen.  Himmel, das ist ja gerade MEIN THEMA gewesen, hier und jetzt, bzw. grade eben noch, auf dem Platz auf der Couch, wo ich es dann doch keine fünf Minuten ausgehalten habe!

Der Text, den ich nun mit besonderer Aufmerksamkeit lese, handelt von der Erfahrung des Erzählers auf dem Golfplatz an einem Tag mit wechselhaftem, kühlen Wetter. Es geschehen “schöne Schläge”, manches geht auch daneben, doch das regt den Übenden nicht weiter auf, dessen Aufmerksamkeit eher genießerisch durch verschiedene Dimensionen schweift: Landschaft, Himmel, ein bestimmter Geruch - und er schreibt darüber:

“Hier, auf dem Platz sehend und gehend, einfach innerlich anzukommen, das ist der Sinn und die Schönheit dieses Spiels. Auf dem Platz anzukommen reicht nicht: in der Ruhe anzukommen, das ist erst die Kernerfahrung. Alles andere ist dabei einfach nur Drumherum und unwesentliches Beiwerk, selbst das Spiel oder der Platz, ja sogar die Natur in all ihrer Größe und Imposanz. Das nützt alles nichts, solange das Eigentliche fehlt.”

Obwohl das ganze Blog vom Golf handelt, sprechen die Texte nicht nur zu Golfern. Auch wer “das Eigentliche” sucht, ist bei Gerd-Lothar Reschke an einer guten Adresse.


# Link | Christiane Bach | Dieser Artikel erschien am Donnerstag, 13. September 2007 um 19:42 Uhr in Wellness: Erfahrungen | 6937 Aufrufe

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