Vor einem guten Jahr hatte ich mich für die Studie “Wie Kieser-Training wirkt” beworben, doch war ich nicht unter den Auserwählten, die in den Genuss eines kostenlosen 6-Monats-Training kamen. Das Angebot, dieses Training mit einem netten Rabatt nun eigenständig durchzuziehen, trudelte in den letzten Wochen ein - und weil Kieser bei mir um die Ecke ist, gebe ich der Sache jetzt eine Chance.

Von Kritikern wird Kieser wegen seines Purismus in Sachen Krafttraining gescholten: keinerlei “Drumrum”, keine Sauna, keine Musik, kein Imbiss- und Kaffeehaus-Betrieb. Es gibt lediglich einen Trinkbrunnen, die Umkleide und einen Service-Tresen fürs Personal. Und natürlich die Kraftmaschinen, die in großer Zahl ein fabrikhallenartiges Ambiente füllen.

Das Training selbst ist genauso minimalistisch wie die Umgebung: es geht um Krafttraining, also stehen nirgends die üblichen Cardio-Geräte. Auch Aufwärmen und Dehnen lehnt Kieser als überflüssig ab:  da die Muskeln einzeln trainiert werden, sollen die jeweils ersten, noch leicht fallenden Bewegungen einer Übung ausreichen, um auf die folgenden, dann richtig anstrengenden vorzubereiten. 
Lange muss man aber auch diese nicht ertragen: 12 mal nur ist die jeweilige Übung pro Gerät auszuführen, langsam und konzentriert, mit einer kleinen Pause am Punkt der höchsten Spannung.  Zehn Kraftmaschinen turnt man so pro Besuch durch, was alsbald nicht mehr als eine halbe Stunde dauern soll, wie mir die freundliche und sehr kompetent wirkende Trainerin versicherte. Und diesen begrenzten Stress möge man sich auch bitte nur zweimal die Woche antun, denn das sei der beste Rytmus für tatsächlichen Kraftzugewinn: Die Muskeln brauchen ihre mindestens 48-stündige Erholungsphase, denn hier bilden sich die neuen Muskelfasern als “Überkompensation” auf das Erlebnis der Anstrengung. Häufigeres Üben ist nach der Kieser-Lehre geradezu kontraproduktiv!

Auch ich gehörte zu den Kritikern und empfand das Kieser-Angebot eher als Zumutung im Vergleich zu den vielen schönen, mit Wellness- und Unterhaltungsangeboten glänzenden Fitness-Centern, in denen man sich gerne stundenlang aufhält, sauniert, mit netten Menschen plaudert, in Fitness-Magazinen stöbert und das Ganze so langsam als ausgelagertes Wohnzimmer erlebt. Ich wunderte mich über die Leute, die bei Kieser “nichts als Krafttraining” übten - schließlich kann man für nur wenig mehr Geld sehr viel mehr von einem Fitnesscenter bekommen als bloß die Gelegenheit zur Nutzung der Maschinen und gute Trainer.

Warum ich jetzt umgedacht habe? Tja, das Erlebnis “tolles Fitnesscenter mit allem Pipapo” hab’ ich mittlerweile hinter mir. Drei Jahre lang versuchte ich immer mal wieder, dem ach so gesunden Krafttraining etwas abzugewinnen, doch die meiste Zeit hing ich im Center nur ‘rum, machte ein wenig Cardio und besuchte ausführlich die Sauna. Unter drei Stunden kam ich da nie ‘raus. Meine Besuche wurden deshalb nach der ersten begeisterten Phase seltener und bald war ich nurmehr Karteileiche. Meinen Wunsch, auch mal richtige Fortschritte zu machen und ein sinnvoll aufbauendes Training zu gestalten, beantworteten die “Trainer” mit ein paar Büchern, die sie mir ausliehen: das sei ein komplexes Feld und ich könne mich ja ein wenig einlesen. Was ich dann auch tat und selbst umzusetzen versuchte: überall ein paar Gewichte mehr aufgelegt, um mal “an der Kraftgrenze” zu trainieren - und schwupps, hatte ich einen Muskelfaserriss am Oberschenkel, fast ohne es zu merken (trotz Aufwärmtrainung!). Das war für mich das Ende, bis das Angebot von Kieser kam.

Schauen wir mal genau hin: das Kraftraining an Maschinen ist vermutlich nicht nur für mich eine ziemlich öde Angelegenheit. Immer diesselben Bewegungen, mehr oder weniger anstrengend. Bald kennt man es, langweilt sich und versucht, sich den Besuch mit eigentlich Nebensächlichem schmackhaft zu machen, wobei das Krafttraining immer mehr in den Hintergrund tritt. Schlussendlich kommt die Sinnkrise, was die im Center verbrachte viele Zeit angeht. Und hier setzt das Versprechen von Kieser an:  Zweimal die Woche eine gute halbe Stunde, mehr ist nicht nötig!

Das erste Training stimmte mich hoffnungsfroh, es auf diese Weise zu schaffen!  Man bekommt zu Beginn gleich drei angeleitete Trainings und einen genauen Plan, der in gewissen Abständen verändert wird. Auch eine ärztliche Beratung und ein medizinischer Kraft-Check an einer computer-gestützten Maschine gehört dazu: so kann man später genau sehen, welche Fortschritte man gemacht hat. Der geringe Zeiteinsatz fasziniert mich. Ich werde gelegentlich berichten, ob das Programm hält, was es verspricht.

# Link | Christiane Bach | Dieser Artikel erschien am Freitag, 29. Januar 2010 um 09:07 Uhr in Gesund leben & ernähren | 8374 Aufrufe

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Kommentare:

Mich hat auch das vor allem das Minimalistische angesprochen. Keine Saftbar, kein Smalltalk, kein Rumlungern und so auch keine Extrakosten. Nur ich und die Gewichte. Außerdem keine Spiegel zur Selbstbetrachtung. Die Haltung muss von innen gehalten werden. (Oder sie wird von den immer anwesenden Fachkräften korrigiert.)

Ich bin jetzt schon im zweiten Jahr dabei und kann “kiesern” nur empfehlen.

engl am Montag, 01. Februar 2010 um 13:55 Uhr


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