Nein, es geht nicht darum, öfter ein paar Stunden ohne Internet-Anbindung zu verbringen: Der “Offline-Modus” des Gehirns ist einfach jender Zustand, in dem man “nichts besonderes” tut, im Volksmund auch als “rumhängen” oder “Seele baumeln lassen” bekannt. Und eigentlich wissen wir ja alle, dass ein Leben ohne Pause kaum zu ertragen ist, doch in zunehmend hektischen Zeiten ist es schön, wenn diese Einsicht Unterstützung von Seiten der Hirnforschung bekommt.

DIE ZEIT hat uns zum Neustart im Jahr 2010 einen Artikel über den “Leerlauf im Kopf” gegönnt: Es geht um den für Neurologen nur schwer erforschbaren Zustand, wenn die zu untersuchenden Probanden aufgefordert werden, “nichts Bestimmtes” zu tun. Immerhin zeigen sich dann typische Muster der “Mußeaktivität” in bestimmten Nervennetzen des Gehirns - ein Zustand, der den Forschern üblicherweise als Vergleichszustand dient, an dessen Veränderungen sie besondere Aktivitäten des Gehirns messen, wenn die Versuchsperson vorgegebene Aufgaben erfüllen muss. Dabei war aufgefallen, dass die neuronale Aktivität des sogenannten “Leerlauf-Netzwerks” beim Übergang von zielgerichteter Konzentration zu “nichts Bestimmtem” nicht etwa nachlässt, sondern ansteigt. Also genau andersrum, als man es erwarten würde!

Auch im Schlaf und im Wachkoma fährt das Leerlauf-Netzwerk seine Aktivitäten hoch, was die Forscher nun vermuten lässt, dass alle Zeit, die nicht mit dem Abarbeiten bestimmter Aufgaben gefüllt ist, quasi zur Pflege des Systems verwendet wird, bzw. zur “Pflege des Bewusstseins”. Dabei geht es vor allem auch um das Ich-Bewusstsein, denn bei Kindern und Alzheimer-Patienten ist der Leerlauf-Modus kaum aktiv, was den Schluss nahe legt, dass unser Ich-Gefühl mit ihm verbunden bzw. von seinem Funktionieren abhängig ist. Der Neuroendokrinologe Jan Born (Uni Lübeck) will das Wort “Leerlauf-Modus” allerdings nicht verwenden, denn das Hirn ist ja gerade nicht untätig: “Das tägliche Bombardement an Informationen, erklärt Born, würde das Hirn eigentlich in ein gefährliches Ungleichgewicht stürzen – wenn es nicht Ruhepausen gäbe, in denen es sich selbst überlassen sei. Diese Chance nutze es, um seine Netzwerke aus Nervenzellen neu zu organisieren, das Gelernte zu ordnen und zu verarbeiten.”

Was sagt uns das jetzt? Nun, sogar die Wissenschaftler kommen auf die Idee, dass es vielleicht sinnvoll sei, während der Arbeitszeit öfters einen forcierten Zustand des Müßiggangs herbeifzuführen - und eben nicht die ganze Zeit mit konzentrierter Arbeit zu verbringen, nur unterbrochen von ebenso konzentriertem Surfen, Mailen, netzwerken. Einfach mal aus dem Fenster gucken und tagträumen: DAS ist es, was das Gehirn dringend braucht!

# Link | Christiane Bach | Dieser Artikel erschien am Dienstag, 05. Januar 2010 um 09:59 Uhr in Prävention | 4017 Aufrufe


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