Die Akupunktur kann eine Alternative zur bisherigen Behandlung sehbehinderter Kinder sein. Das ergab jetzt eine Studie, die im „Archives of Ophthalmology“ erschienen ist. Es ging um die typische Amblyopie, von der mehr als 20 Prozent aller Kinder betroffen sind. Die Erkrankung entsteht häufig durch das Schielen oder starke Fehlsichtigkeiten, die sowohl in Form der Weit-, als auch der Kurzsichtigkeit auftreten können.

In diesem Fall ist ein Auge deutlich besser ausgeprägt, als das andere. Es werden nur die Bilder tatsächlich verarbeitet, die vom besseren Auge erkannt werden. Dadurch wird der Sehsinn des schlechteren Auges oftmals noch weiter in seiner Entwicklung eingeschränkt. Das Ganze führt langfristig zu einer nicht zu unterschätzenden Sehstörung, die nur mit Hilfe einer Therapie vermieden werden kann. Die typische Behandlung war bisher die Okklusionstherapie. Hierbei wurde das bessere Auge zeitweilig mit einer Augenklappe abgedeckt, um so den Sehsinn des schlechteren Auges gezielt zu trainieren. Allerdings sind die Erfolge immer abhängig vom Alter der Kinder. In den ersten drei Lebensjahren angewandt, bringt die Therapie die besten Erfolge. Je älter die Kinder werden, desto länger muss die Augenklappe getragen werden. Die zu verzeichnenden Erfolge verringern sich dabei zunehmend. Bereits im Teenageralter können kaum mehr Erfolge verzeichnet werden.

Die aktuelle Studie wurde von Forschern aus China und den USA gemeinsam durchgeführt. Sie suchten nach einer Alternative zur Okklusionstherapie, bei der viele Kinder einfach die Mitarbeit verweigern oder mit den physischen Belastungen durch die Augenklappe nicht zurechtkommen. Eine Gruppe von insgesamt 88 Kindern wurde untersucht und über 15 Wochen behandelt. Vor der Behandlung erhielten alle Kinder eine auf sie angepasste Sehhilfe. 45 Kinder wurden mit Okklusionstherapie behandelt, 43 Kinder mit der Akupunktur, die der TCM entstammt.  Bei den Kindern mit Augenklappe wurde diese zwei Stunden täglich getragen. Die Akupunktursitzungen erfolgten fünf Mal pro Woche.

Nach den 15 Wochen hatte sich die Sehkraft bei allen Kindern verbessert. Die Kinder, die mit der Okklusionstherapie behandelt wurden, konnten am Ende der Studie beim klassischen Sehtest 1,8 Zeilen mehr erkennen. Die Kinder, die mit der Akupunktur behandelt wurden, konnten sogar 2,3 Zeilen mehr erkennen. Nach Abschluss der Studie galten sieben der Kinder, die mit Augenklappen behandelt wurden, als geheilt. Bei der Akupunkturgruppe waren sogar 17 Kinder geheilt.

Es wurde allerdings nicht untersucht, ob eine längere Tragedauer die Ergebnisse verbessert hätte, betonen die Forscher. Das sei aber auch nicht Sinn der Studie gewesen, man wollte schließlich die Okklusionstherapie nicht verdrängen, sondern nur eine Alternative zu dieser aufzeigen. Wie genau die Akupunktur wirkt, ist aber auch den Wissenschaftlern unklar. Sie vermuten, dass die Aktivität der Sehrinde im Gehirn durch die Nadeln erhöht worden sei. Auch die Durchblutung des Auges könnte verbessert worden sein. Ebenfalls könnte es sein, dass Wachstumsfaktoren für die Netzhaut durch die Akupunktur vermehrt ausgeschüttet wurden, was wiederum den Stoffwechsel des zentralen Nervensystems angeregt haben könnte.


# Link | Britta Lutz | Dieser Artikel erschien am Mittwoch, 05. Januar 2011 um 12:06 Uhr in Gesund leben & ernähren | 3068 Aufrufe

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