Immer mehr Menschen stöhnen über Zeitmangel, überquellende Terminkalender, kaum mehr zu bewältigende Informationsmengen und allzu viele soziale Verpflichtungen. Stress bestimmt den Alltag, es bleibt keine Zeit für Entspannung und schon gar nicht für die Besinnung auf das Wesentliche.

Dem stellt sich ein neuer Trend aus Amerika und England entgegen: Die “Downshifter” führen ein Leben in “Freiwilliger Einfachheit” (engl. voluntary simplicity). Sie verzichten bewusst auf Besitz und sozialen Status und suchen ihre Erfüllung in wenigen, einfachen, meist kostenlosen Dingen und Betätigungen.  Wer dem Trend folgt, versucht bewusst, sich dem Konsumzwang zu entziehen, sein Leben zu entrümpeln.  Gekauft wird nur das, was wirklich gebraucht wird, doch im Gegensatz zu extremer Sparsamkeit und Geiz (?Geiz-ist-geil?-Mentalität) wird nicht vorherrschend nach billigen Schnäppchen und Sparmöglichkeiten gesucht, sondern Besitz, Konsum und die eigene Anspruchshaltung werden insgesamt kritisch hinterfragt.

Mir kommt diese Bewegung gar nicht so neu vor. Es erinnert mich an die Konsumkritik der 70ger-Jahre, die Punks der 80ger, sowie die immer schon kritische Haltung aller ökologisch und umweltbewusst lebenden Menschen.  Doch Downshifting heißt wörtlich “herunter schalten” - es ist also vornehmlich eine Bewegung derer, die vorher “oben” waren und ihren Terminkalender nun entnervt in die Ecke werfen. Und wie jede neue Bewegung haben die Downshifter ihre Helden bzw. Extremisten: Hugh Sawyer besitzt nichts als die Kleider, die er auf dem Leib trägt, eine Matte und einen Schlafsack.  Er wohnt in einem Wald bei Oxford, doch fährt er mit dem Bus ins Büro, wo er duscht und sich für den Arbeitstag in den Anzug wirft.

So weit muss man es nicht gleich treiben, um in den Genuss des “weniger ist mehr” zu kommen.  Einfach mal Bilanz ziehen, alle Aktivitäten auflisten und das Überflüssige streichen, ist schon ein großer Schritt in Richtung Wohlbefinden. Ich mache das gerne “zwischen den Jahren”, in dieser stillen Auszeit, in der die Arbeitswelt - zumindest in unseren Breiten - für ein paar Tage zur Ruhe kommt. Freunde berichten mir, dass zum Jahresende immer alle Versicherungen fällig werden - auch das ist für einige ein Anlass, darüber nachzudenken, ob denn wirklich soviel versichert werden muss, und ob es nicht besser ist, auch mal Ballast abzuwerfen.

Schon Sokrates soll bei einem Gang über den Markt gesagt haben: “Ich sehe mit Freude, wie viele Dinge es gibt, die ich nicht benötige”.  Als ich gestern durch eine weihnachtlich geschmückte Shopping-Mal schlenderte, ging es mir ganz ähnlich: es gibt so VIEL von allem, dass die Lust, etwas auszuwählen, erst gar nicht aufkommt. Ein seltsames Genießen inmitten des Überflusses!

# Link | Christiane Bach | Dieser Artikel erschien am Donnerstag, 14. Dezember 2006 um 08:21 Uhr in Wellness: Erfahrungen | 2941 Aufrufe

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